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My Sister Grenadine

Shine In The Dark

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Vincenz Kokot's Schwester hat eine ausgesprochen maskuline Stimme - und klingt genau wie er. Kein Wunder, Grenadine existiert nur in Vincenz Phantasie. Dass es sich dennoch nicht um einen Benefiz-Sampler für Schizophrene handelt, liegt an dem ausgesprochen reifen, bloß etwas ziellosen Album des Berliner Musikers.
Vincenz Kokot macht eine Menge Musik. Postrock bei Polaroid Liquide zum Beispiel - oder als Teil des Gitarrenduos Kashu. My Sister Grendine ist sein Solo-Debüt und man verzeiht es ihm sofort, dass er den Hörer in die Irre führt. Tristan Brusch und Coco Rosie stehen Pate bei diesem dahingeflackerten, zaghaften Akustik-Album. Fragmentarisch bleibt es, hat viel Platz zum atmen und nur wenig Ambitionen, den Einstieg zu erleichtern. Dass Vincenz Kokot ein musikalisches Wissen und Können hat, kann keiner bezweifeln, der "Season Song" auch nur einmal gehört hat. Aber hat er auch das nötige poetische Können, das jeder braucht, der sparsam Instrumentiert? Und hier liegt der Hund begraben. Alles bleibt zu vage, unschlüssig, brüchig und allgemein. Was bei jemanden wie Nick Drake wunderbar funktiert, wirkt bei My Sister Grenadine unausgegoren. Das ist schade, denn gerade ein so beherztes Ukulele-Stück wie "Ballad Joy" hätte mehr lyrische und sangeskräftige Wucht verdient. Am Ende macht "Shine In The Dark" einen kräftigen Bogen um alles klare, wuchtige. Vielleicht flüstert Grenadine die nächsten Nächte ein wenig mehr in Vincenz Kokot's Ohr. Er hat es verdient. Für ein dann hoffentlich überragendes Zweitwerk.

Bewertung: 6 von 10 Sternen / Spielzeit: 24:09 / Folk

 

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